Leitbild
Bei geht klar. geht es uns um Momente, in denen etwas in Bewegung gerät. Das kann das Ende der Schulzeit sein, ein beruflicher Umbruch, ein Schreibprozess, der feststeckt, eine Gruppe, die sich neu sortieren muss, oder einfach das Gefühl, dass etwas nicht mehr so richtig passt, ohne dass schon klar ist, was stattdessen kommen soll. Genau solche Schwellenmomente finden wir spannend. Nicht, weil wir glauben, die richtige Antwort zu kennen, sondern weil wir Menschen dabei begleiten möchten, ihre eigene herauszufinden.
Ein wichtiger Ausgangspunkt dafür ist für uns, Menschen erst einmal wirklich verstehen zu wollen, bevor wir anfangen, Lösungen zu produzieren. Tina kommt aus der Sozialen Arbeit und der sozialwissenschaftlichen Biographieforschung und arbeitet als Forscherin und Lehrende. In der Biographieforschung beginnt man oft mit sehr großen, offenen Fragen: Wer bist du eigentlich? Was hat dich geprägt? Wie bist du an den Punkt gekommen, an dem du gerade stehst? Genau diese Haltung steckt auch in geht klar. Wir wollen Menschen nicht möglichst schnell in Kategorien sortieren, ihnen einen Test vorlegen und anschließend erklären, welcher Beruf, welcher nächste Schritt oder welche Entscheidung vermeintlich zu ihnen passt. Uns interessiert vielmehr, was für ein Mensch da gerade vor uns sitzt, wie dieser Mensch leben und arbeiten möchte, was ihm wichtig ist, was Energie gibt, wo Grenzen liegen und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben könnten. Henri bringt dazu unter anderem Erfahrung aus der Begleitung von Zukunfts- und Entwicklungsprozessen in Unternehmen mit. Gemeinsam kommen wir außerdem aus der Erlebnispädagogik. Unsere Arbeit entsteht deshalb immer aus verschiedenen Perspektiven: wissenschaftlich fundiert, pädagogisch gedacht und gleichzeitig sehr nah an dem konkreten Menschen oder der konkreten Gruppe, mit der wir gerade arbeiten.
Dabei versuchen wir nicht, alles zu funktionalisieren. Es geht uns nicht darum, Menschen effizienter, produktiver oder vermeintlich erfolgreicher zu machen. Natürlich darf am Ende etwas Konkretes stehen. Vielleicht fünf oder sechs berufliche Richtungen, die jemand ausprobieren möchte. Vielleicht eine klarere Idee davon, was nach dem Abi passieren könnte. Vielleicht die Entscheidung, den eigenen Beruf zu verändern. Vielleicht ein nächster Schritt in einem Schreibprozess oder eine neue Perspektive für ein Team. Aber manchmal ist das Ergebnis auch einfach, die eigene Frage besser verstanden zu haben. Für uns ist entscheidend, dass Menschen aus einem Prozess gehen und das Gefühl haben: Das ist meins. Das wurde mir nicht von uns, von einem Test, von einer Organisation oder von irgendwelchen Erwartungen übergestülpt.
Je nach Frage braucht es dafür unterschiedliche Methoden und unterschiedliche Räume. Manches lässt sich gut im Gespräch sortieren. Für anderes ist es hilfreich, einmal aus dem gewohnten Alltag herauszukommen. Deshalb spielt Natur in vielen unserer Formate eine wichtige Rolle. Zum einen, weil wir beide erlebnispädagogisch arbeiten und wissen, was sich verändert, wenn Menschen nicht nur miteinander reden, sondern gemeinsam unterwegs sind, Dinge erleben, allein Zeit verbringen oder für ein paar Tage ihre gewohnten Rollen verlassen. Zum anderen, weil Natur einen Raum schaffen kann, in dem Dinge wieder anders wahrnehmbar werden. Wir meinen das nicht spirituell und wir glauben auch nicht, dass irgendwo zwischen zwei Tannen automatisch die große Wahrheit wartet. Aber wir erleben, dass Abstand, Bewegung, Stille und ein anderer Rhythmus helfen können, Gedanken neu zu sortieren und Dinge wahrzunehmen, die im Alltag leicht untergehen.
Dazu gehört für uns auch, Kopf und Körper nicht künstlich voneinander zu trennen. Wer mehrere Tage intensiv denkt, schreibt oder sich mit großen Fragen beschäftigt, braucht nicht noch acht Stunden PowerPoint und anschließend einen Arbeitsauftrag. Deshalb gehören gutes Essen, Spaziergänge, Bewegung, Joggen, Yoga, Pausen, Schlaf, gemeinsam draußen sein und auch Zeiten ohne Programm ganz selbstverständlich zu unserer Arbeit. Nicht als hübsches Zusatzangebot, sondern weil wir überzeugt sind, dass gute Prozesse auch davon abhängen, wie Menschen sich körperlich fühlen und ob sie überhaupt Raum haben, Dinge sacken zu lassen.
Unsere Formate können deshalb sehr unterschiedlich aussehen. Wir arbeiten mit Schüler*innen vor und nach dem Schulabschluss, mit Erwachsenen in beruflichen Umbruchsituationen, mit Menschen, die Zeit allein in der Natur verbringen möchten, mit Wissenschaftler*innen in intensiven Schreibphasen, mit Gruppen, Teams und Organisationen. Manchmal geht es um Zukunft, manchmal um Arbeit, manchmal um Schreiben, manchmal um Rollenbilder oder darum, sich selbst noch einmal anders kennenzulernen. Was all diese Dinge verbindet, ist für uns dieselbe Grundfrage: Was braucht dieser Mensch oder diese Gruppe gerade, um den eigenen nächsten Schritt herausfinden zu können?
Wir arbeiten dabei fachlich und wissenschaftlich fundiert und entwickeln unsere Formate aus unseren jeweiligen professionellen Hintergründen und Weiterbildungen heraus ständig weiter. Gleichzeitig wollen wir offen genug bleiben, damit nicht unsere Methode wichtiger wird als die Menschen, mit denen wir arbeiten. Genau darum geht es für uns bei geht klar: gute Räume zu schaffen, große Fragen ernst zu nehmen, unterschiedliche Wege auszuprobieren und Menschen so durch Übergänge zu begleiten, dass am Ende nicht unsere Antwort steht, sondern ihre eigene.